Wir besuchen das Cap Fagnet und wandern nach Yport
Unser Ausgangsort heute ist Fécamp an der Alabasterküste. Der quirlige, etwa 20000 Einwohner zählende Ort, besitzt eine lange Tradition im Kabeljaufang. Bis vor die Küste Neufundlands, unter unvorstellbaren Strapazen, fuhr schon im 16. Jahrhundert die Fischereiflotte von Fécamp. Im Jahre 1627 zählte die Flotte bereits 20 Schiffe. Heute lohnt sich die weite Fahrt nicht mehr und der Kabeljaufang wurde im Jahre 1987 dort eingestellt. Ein modernes Fischereimuseum mit Panoramadach erzählt heute vom anstrengenden Arbeitsalltag der Fischer und gibt auch Einblicke in Bootsbau und Stadtgeschichte.
Das Fischereimuseum in Fécamp

Das Fischereimuseum in Fécamp – oder auf Französisch Musée des Pêcheries – ist eines der spannendsten Museen an der normannischen Alabasterküste. Es befindet sich in einem ehemaligen Dorschfang-Kühlhaus direkt am Hafen und erzählt eindrucksvoll die Geschichte der Stadt, die jahrhundertelang vom Meer lebte.
Schon das Gebäude selbst ist beeindruckend: Der massive Betonbau aus den 1950er-Jahren wurde sorgfältig restauriert und verbindet heute Industriearchitektur mit moderner Ausstellungstechnik. Auf mehreren Etagen entfaltet sich ein Rundgang durch Fécamps maritime Vergangenheit – vom harten Leben der Fischer auf den Dorschfangflotten in Neufundland bis zu den Familien, die an Land auf ihre Männer warteten.
Neben historischen Exponaten, alten Fotografien und Filmaufnahmen gibt es liebevoll gestaltete Nachbildungen von Fischerhütten, Navigationsinstrumenten und Schiffsmodellen. Besonders eindrucksvoll sind die persönlichen Gegenstände und Erinnerungsstücke, die vom Alltag auf See erzählen – von Bibeln, die auf jeder Fahrt mitgeführt wurden, bis zu handgeschnitzten Andenken der Seeleute.
Doch das Museum widmet sich nicht nur der Fischerei: Auch Fécamps städtische Geschichte, seine Kunst und seine Verbindung zur berühmten Benediktiner-Likörfabrik finden hier Platz. Wer mag, kann am Ende des Rundgangs auf die Dachterrasse hinaufsteigen – von dort bietet sich ein großartiger Blick über den Hafen, die Kreidefelsen und das weite Meer.
Urlaub in Fécamp
Heute sind nur noch einige wenige Fischerboote im Einsatz und im weitläufigen Hafenbecken schaukeln die Yachten und kleine Angelboote.


Wer kein eigenes Boot besitzt, kann trotzdem vom Wasser aus die wunderschöne Küste erkunden. Mag man es rasant, kann mit dem Speedboot einen Ausflug nach Étretat oder Honfleur unternehmen.


Für den Liebhaber romantischer, traditioneller Schiffe, bietet sich eine Tour entlang der weißen Felsen mit der „Tante Fine“ an. Hier darf Jeder, der mag, auch einmal helfen die Segel zu setzen oder das Steuerrad übernehmen.


Die Promenade von Fécamp erstreckt sich von der Hafeneinfahrt bis zum Casino. Im August herrscht hier Hochbetrieb und die zahlreichen Lokale sind bis auf den letzten Platz besetzt. Jetzt im Juli, geht es hier noch beschaulich zu.




Den Tag am Strand kann man lesend, oder auch sportlich verbringen, jeder so wie er mag.

Die badenden Fischersfrauen
An der Promenade von Fécamp, direkt mit Blick auf das Meer, stehen sie: die bronzenen „Baignantes“ – die badenden Fischersfrauen. Diese lebensgroßen Figuren sind nicht einfach nur Kunstwerke, sondern eine stille Hommage an die Frauen, die über Generationen hinweg das Rückgrat der Hafenstadt bildeten.
Sie symbolisieren die Ehefrauen, Mütter und Töchter der Seeleute, die hier an der Küste lebten, arbeiteten und warteten. Während ihre Männer monatelang auf den Dorschfang in den eiskalten Gewässern vor Neufundland unterwegs waren, hielten sie in Fécamp den Alltag aufrecht – mit Sorge, Hoffnung und der ständigen Sehnsucht nach einem sicheren Wiedersehen.
Die Skulpturen zeigen sie beim Baden im Meer, gelöst und fröhlich – ein seltener Moment der Unbeschwertheit. Damit setzt der Künstler ein bewusstes Zeichen: Diese Frauen, die oft mit Entbehrungen lebten, dürfen hier in einer Szene voller Leichtigkeit erscheinen. Das Werk spielt also mit der Erinnerung an ein hartes Leben und dem Wunsch nach Freiheit.

Die Hafeneinfahrt von Fécamp wird von langen Holzbohlenstegen gesäumt und der Leuchtturm liegt am Ende einer langen Mole. Dies ermöglicht schöne Spaziergänge entlang der Hafeneinfahrt mit tollen Ausblicken auf das geschäftige Hin- und Her der vielen Boote. Sogar große Frachter finden gelegentlich den Weg ins Hafenbecken .

Der Leuchtturm von Fécamp
Der Leuchtturm von Fécamp (Phare de Fécamp) hat durchaus einige interessante Besonderheiten – sowohl geschichtlich als auch landschaftlich.
Der markante Leuchtturm steht an der Einfahrt zum Hafen und bildet gemeinsam mit der langen Mole eines der bekanntesten Wahrzeichen der Stadt. Schon von Weitem sieht man den weißen Turm mit seiner grün gestrichenen Spitze – ein klassisches Motiv an der normannischen Alabasterküste.
Der heutige Turm wurde zwischen 1949 und 1950 erbaut, nachdem sein Vorgänger im Zweiten Weltkrieg zerstört worden war. Er misst etwa 14 Meter Höhe, wirkt aber durch seine exponierte Lage direkt am Meer deutlich größer. Sein Licht, das über 16 Seemeilen weit reicht, dient der sicheren Navigation der Schiffe, die in den Hafen einlaufen oder entlang der Küste fahren.
Besonders stimmungsvoll ist der Ort bei Sturm oder Abendlicht, wenn die Wellen gegen die Mole schlagen und die Gischt in der Luft hängt. Dann wird deutlich, wie gefährlich und zugleich faszinierend das Meer hier sein kann – ein Sinnbild für die enge Verbindung zwischen Fécamp und der See.

Interessant ist auch, dass es zwei Molenleuchttürme gibt: einen grünen (östlich) und einen roten (westlich). Sie markieren die Einfahrt in den Hafen – grün für die Steuerbordseite, rot für Backbord – ganz nach der klassischen Seefahrtstradition. Gemeinsam rahmen sie den schmalen Hafenzugang ein und sind besonders bei Flut ein eindrucksvolles Fotomotiv.
Vom Ufer aus, besonders von der Promenade oder dem Kap Fagnet, hat man einen fantastischen Blick auf beide Türme und das Spiel der Gezeiten. Der Leuchtturm von Fécamp ist also nicht nur ein technisches Bauwerk, sondern auch ein Symbol für die maritime Geschichte der Stadt – ein stiller Wächter über dem Meer.

Das Cap Fagnet – Schöne Aussichten
Gleich neben der Hafeneinfahrt ragt das Cap Fagnet, mit einer Höhe von 111 Metern, dem höchsten Teil der gesamten Alabasterküste, steil in den Himmel. Dort hinauf wollen wir, um die fantastische Aussicht zu genießen, und etwas mehr über ein düsteres Kapitel der Neueren Geschichte zu erfahren.

Hier oben auf dem Cap Fagnet befindet sich die Kapelle „Notre Dame du Salut“, die wichtigste Wallfahrtskirche der normannischen Fischer. Sie stammt aus dem 11. Jahrhundert . Eine Anzahl Votivtafeln erzählt anschaulich vom Bangen um verschollene Seefahrer.

Wir genießen den wunderschönen Ausblick auf Fécamp und die Kreideküste, bevor wir uns auf einen geschichtsträchtigen Rundgang machen.





Im 2. Weltkrieg war das Kap Fagnet ein bedeutender Teil des Atlantikwalls. Hier oben verschanzte sich die Deutsche Wehrmacht in Bunkeranlagen, um ihre Stellung im von ihr besetzten Frankreich zu halten. Ein beschilderter Rundgang erzählt von diesem unrühmlichen Teil Deutscher Vergangenheit.
Geschichtsspuren am Cap Fagnet bei Fécamp
Am Cap Fagnet oberhalb von Fécamp offenbart sich eine eindrucksvolle Facette der Militärgeschichte – weit mehr als nur ein Aussichtspunkt über die normannischen Klippen. Schon die antike Nutzung als befestigter Punkt zeigt die strategische Bedeutung dieses Ortes – doch seine prägnanteste Rolle erhielt er im Zweiten Weltkrieg. Laut offiziellen Angaben beherbergte das Kap eine umfangreiche deutsche Radar- und Funkstation des Atlantikwall.
Radar- und Ortungsanlagen
Auf dem Plateau wurden große Beton-Blockhäuser errichtet, die mehrere Radar-Systeme beherbergten:
- Eine Anlage mit dem System war für Langstrecken-Ortung von 200–300 km ausgelegt.
- Ein weiterer Posten war mit dem Würzburger See Riese-Radar ausgestattet – ein hochpräzises Flugabwehrradar mit einer Reichweite von etwa 40–80 km.
Diese Anlagen standen in unmittelbarer Verbindung mit Kanonenstellungen, Beobachtungsposten und Geschützunterständen – der Cap Fagnet diente somit nicht nur zur Überwachung von Meer und Luft, sondern zur Steuerung konkreter Verteidigungsmaßnahmen.

Unterirdisches Lazarett und Sanitätsbunker
Ein oft übersehener Aspekt: In die Klippe wurde ein sogenannter „Sanitätsunterstand“ oder ein unterirdisches Militärkrankenhaus der Deutschen eingebaut. Zwar fehlen vollständige schriftliche Nachweise für alle Details, doch Quellen nennen diese Anlage als Teil des Verteidigungssystems.
Damit wurde der Cap Fagnet nicht nur zu einem Ort der Überwachung und Verteidigung, sondern auch zur medizinischen Absicherung von Truppen – mitten in einer rauen Küstenlandschaft, 100 Meter über dem Meeresspiegel gelegen.

Aufbau und Funktion im Verteidigungssystem
Die Errichtung dieser Einrichtungen geschah im Rahmen der deutschen Befestigungsinitiative „Atlantikwall“, die ab etwa 1942 unter der Leitung von Fritz Todt vorangetrieben wurde. Das Cap Fagnet war damit Teil eines lückenlosen Systems von Radar-, Befestigungs- und Verteidigungswerken entlang der Küste – mit dem Ziel, alliierte Landungen frühzeitig zu erkennen und abzuwehren. Laut einem Spezial-Portal war Fécamp nach den Häfen von Le Havre und Dieppe sogar der drittstärkste befestigte Hafen dieser Normandieküste.


Besuch und Führungen
Für den heutigen Besucher bietet der Cap Fagnet also nicht nur grandiose Natur- und Panoramaerlebnisse, sondern auch Gelegenheit zu historischen Entdeckungen:
- Der Zugang zu den Blockhäusern und zum Sanitätsunterstand erfolgt in der Regel im Rahmen einer geführten Tour „Spurensuche Atlantikwall“ (Dauer etwa 2 Stunden) mit Anmeldung.
- Die reguläre Begehung des Areals ist tagsüber frei möglich. Aufmerksamkeit erfordern Wegstrecken und Hinweisschilder – insbesondere wenn Teile der Anlage unter Vegetation oder in der Klippe liegen.

Noch mehr Schöne Aussichten und ein Likörchen
Wir kehren zurück ins geschäftige Fécamp. In den Sommermonaten ist das Riesenrad am Hafen eine weitere Möglichkeit tolle Ausblicke zu genießen.



Bevor wir uns auf die Wanderung nach Yport machen, besuchen wir noch, das nur wenige Schritte entfernte, Palais Bénédictine.
Dem Weinhändler Alexandre Le Grand war es im Jahre 1863 gelungen, das Rezept des legendären Kräuterlikörs der Benediktinermönche von Fécamp, in klingende Münze umzusetzen. In Gedenken an die Mönche, ließ er diesen Palast errichten, der eine Mischung aus Barock, Gotik und Rennaisance in sich vereint. Das prunkvolle Gebäude erinnert in seiner Erscheinung an eine Abtei und beherbergt heute ein Museum für sakrale Kunst. Die Gewinnung des berühmten Kräuterliköres kann man bei einer Besichtigung der Destille kennenlernen und eine Verköstigung darf natürlich auch nicht fehlen.








Diese schönen Gebäude in der Nachbarschaft sollen auch nicht fehlen:



Eine Wanderung mit Flachs
Wir kehren zur Promenade zurück und wenden uns nach links. Kurz vor dem Casino führt eine Treppe hinauf. Nach etlichen Stufen und einem kurzen Stück die kleine Straße bergauf, bietet sich uns wieder ein toller Ausblick:

Da oben, auf dem Cap Fagnet, haben wir vorhin gestanden! Auch der Funkturm ist gut zu erkennen. Wir steigen weiter bergan, immer der kleinen Straße folgend. Fécamp lassen wir weit unter uns.

Beim Campingplatz halten wir uns rechts und es geht noch ein Stück bergauf. Wir erreichen die Anhöhe und wandern den Feldweg weiter.



Und dann sehe ich zum ersten mal ein Flachsfeld! Der Flachs (oder auch Lein) ist schon geschnitten und liegt zum trocknen aus. Hier im Pay de Caux ist Flachsanbau keine Seltenheit und ich erinnere mich, das es ganz hier in der Nähe, in Bretteville, eine Flachswerkstatt gibt, wo man allerhand über den Anbau und die Verarbeitung lernen kann. Eine Boutique gibt es dort natürlich auch. Ich kenne Lein nur in Form von Leinöl aus der Küche. Muss toll aussehen, wenn das ganze Feld hellblau leuchtet! (Update: Inzwischen habe ich auf dem Weg in die Bretagne blühende Flachsfelder erleben dürfen. Ein Traum!)

Flachsanbau im Pays de Caux
Der Pays de Caux in der Normandie ist seit Jahrhunderten das Herz des europäischen Flachsanbaus. Die kalkhaltigen Böden, das feuchte Seeklima und die sanfte Hügellandschaft bieten ideale Bedingungen für die anspruchsvolle Pflanze, die hier im Juni mit ihren zarten, blauen Blüten ganze Felder in ein leuchtendes Meer verwandelt.
Flachs wird in der Region vor allem für die Leinenproduktion angebaut – ein Handwerk, das tief in der Tradition verwurzelt ist. Nach der Ernte im Sommer werden die Stängel auf den Feldern „geröstet“, um die wertvollen Fasern zu lösen. Anschließend folgen das Brechen, Schwingen und Hecheln – Arbeitsschritte, die noch heute in vielen Betrieben mit großer Sorgfalt ausgeführt werden.
Von der Normandie aus gelangt der hochwertige Flachs in alle Welt, insbesondere nach Belgien und in die Niederlande, wo er weiterverarbeitet wird. Rund 80 % des europäischen Flachses stammt aus Nordfrankreich – der Pays de Caux ist dabei eine der wichtigsten Anbauregionen.
Besonders reizvoll: Wer im Juni durch die Region reist, kann die spektakuläre Blütezeit erleben. Zwischen den Küstenorten Étretat, Fécamp und Cany-Barville erstrecken sich endlose Felder in sanften Wellen – ein unverwechselbares Bild der normannischen Kulturlandschaft.

Yport – Badehäuschen zwischen Kreidefelsen
Nach rund 5 km erreichen wir, nach einem längeren Abstieg, den kleinen Ort Yport, der sich zwischen die Kreidefelsen schmiegt. Schöne Häuser gibt es hier in blühenden Gärten, eine schmucke Schifferkirche und eine adrette kleine Strandpromenade.

Église Saint‑Martin
Ein besonderes Highlight im Ort ist die Kirche Église Saint‑Martin: Sie wurde im 19. Jahrhundert errichtet und überrascht im Inneren mit geschnitzter Kanzel und Hochaltar – sowie mit dekorativen Schiffsmodellen, die an die jahrhundertealte Fischereitradition des Ortes erinnern.






Hier im idyllischen Yport, wie auch in Fécamp und anderswo an der wunderschönen, imposanten Alabasterküste, fand der Maler ClaudeMonet Inspiration für seine Bilder.
Claude Monet und die „Rochers à Yport“
Die Küste der Normandie faszinierte Claude Monet immer wieder, und so malte er um 1885 mehrere Ansichten der kleinen Fischerstadt Yport, die etwas östlich von Étretat liegt. Eines seiner bekannten Werke ist „Rochers à Yport“ – ein Bild, das den rauen Charme der Kreidefelsen und das ständige Spiel von Licht und Meer eindrucksvoll einfängt.
Felsen, Meer und Impressionismus
Monet konzentrierte sich in diesem Gemälde auf die Felsformationen, die direkt aus dem Wasser ragen, während die Wellen an ihren Fuß schlagen. Typisch für den Impressionismus verzichtete er auf detailgenaue Wiedergabe und setzte stattdessen auf Farbe, Lichtreflexe und Pinselbewegungen, um die Stimmung des Augenblicks festzuhalten. Die pastosen, leuchtenden Farbtöne lassen das Meer lebendig wirken, während der Himmel in zarten Blau- und Grau-Nuancen den Eindruck einer wechselhaften Küstenlandschaft vermittelt.
Die „Rochers à Yport“ zeigen eindrücklich, wie Monet die Natur nicht nur abbildete, sondern ihre Atmosphäre und Bewegung spürbar machte. Das Gemälde gehört zu einer Serie, in der er verschiedene Küstenabschnitte der Alabasterküste studierte – ein Beispiel dafür, wie sehr Étretat und die umliegenden Orte für ihn zu einem Freilichtatelier des Lichts wurden.





Die weiß, blauen Badehäuschen sind hier besonders hübsch und gepflegt.



Wir nehmen Abschied von Yport. An der Kirche habe ich vorhin die Bushaltestelle entdeckt und erleichtert festgestellt, dass der Pendelverkehr nach Fécamp gut organisiert ist. Für heute sind wir genug gewandert! Wir haben viel Neues gesehen und freuen uns auf den nächsten Tag.


Marion, eine wirklich schöne Seite. Ich war im Sommer in Fécamp und auf dem Campingplatz Rénéville. Es war traumhaft wie Dein Reisebericht. Weiter so. Sehr schöne Photos!